Autismus verstehen

Autismusberatung wird erst sinnvoll unter der neuen Perspektive auf die Interaktion zwischen Autisten und Umwelt!
Bisher herrschte eine falsche Sicht auf Autismus als isoliertes und pathologisches Phänomen und somit auf Autisten, die an die Umwelt angepasst werden müssen. Die Probleme in der Interaktion zwischen Autisten und Eltern, Schule, Arbeitgebern etc. blieben bisher unbeachtet bzw. wurden nur einseitig betrachtet.

Die alte Sicht
(Bilder können durch anklicken vergrößert werden, Quelle für Bilder und teilweise für den Text ist
Band 2 „Hilfen für Autisten?“:

alte-sicht

ist in vier Punkten falsch

  1. Der NT-Mensch als rational, autonom und bewusst handelnd (BRAHM-Dogma). Dies wurde immer wieder durch die Sozialpsychologie widerlegt. NT-Menschen handeln zum großen Teil unbewusst, irrational und von Gruppen abhängig [z.B. Bargh (2014)].

  2. Die Sicht von einem idealen NT-Beobachter auf „kranke“ und zu heilende Autisten. Statt dessen muss die Interaktion und Kommunikation zwischen NT- und AS-Menschen betrachtet werden.

  3. Die Bezeichnung der Beeinträchtigung von Kommunikation und Interaktion als „sozial“. Doch diese ist bei NT-Menschen eben nicht sozial, sondern sehr stark abhängig von der Gruppenzugehörigkeit. Interaktion und Kommunikation finden ihre Grenzen schnell außerhalb der eigenen Gruppe.

  4. Die Definition von stereotypen und repetitiven Verhaltensweisen als Symptom von Autismus. Doch diese sind zumindest zum Großteil Folgen von Angst und Stress.

und muss deshalb abgelöst werden durch die:

neue-sicht

Es handelt sich bei Autismus also nicht um eine Beeinträchtigung der „sozialen“ sondern der „unbewußten Grupppen-“ Interaktion und Kommunikation!
Und daraus folgend müssen die Ursachen und Unterstützungsmöglichkeiten für Autisten dynamisch betrachtet werden:

vulnerabilität-autismus2

Hilfen und damit Beratung können also ansetzen sowohl bei der Reduzierung von Angst und Stress, als auch beim Aufbau von Ressourcen wie Selbstwertgefühl etc. (siehe auch Band 2 „Hilfen für Autisten?“)

Der wichtigste Unterschied zwischen NT-Menschen und Autisten ist der zwischen „Default-Mode“ und „Task-Mode“:

DM-TM

Durch diese neue Sicht werden nicht nur die Probleme sondern auch und vor allem die qualitativen Vorteile und Stärken von Autisten deutlich und erklärbar.

Hierzu gibt es auch SCREENCASTS als kurze Zusammenfassung meiner beiden Bücher und Vorträge „Autismus verstehen“ und „Hilfen für Autisten?“

Entwicklungsdynamische Perspektive: Unterschied „frühkindlicher Autismus“ und Asperger Syndrom („spätkindlicher Autismus“)

ALLE Menschen brauchen zu ihrer Entwicklung soziale Interaktion!

Auch und gerade Autisten!

Kommt es zu einer „Störung der sozialen Interaktion“, so kommt es auch zu einer Störung der Entwicklung.

Abhängig vom Zeitpunkt des Auftretens der Störung können unterschiedliche Bereiche betroffen sein:

entwicklungsebenen2

Beim frühkindlichen Autismus tritt die Störung zu einem Zeitpunkt auf, an dem die Homöostase und die kognitiven Grundlagen nicht „ausgehärtet“ sind.

Beim Asperger Syndrom (spätkindlicher Autismus) dagegen ist im Wesentlichen die sozio-emotionale Entwicklung betroffen.

Durch eine Beseitigung der Störung der sozialen Interaktion und eine entsprechende Förderung kann die Reifung der entsprechenden Bereiche wieder hergestellt werden!

Die Entwicklung findet dynamisch statt! Auch bei Autisten!

 

 

 

 

 

 

 

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